Sonntag, Mai 28

Renovierungstagebuch // Malervlies tapezieren

Ich mochte es, das Malervlies zu tapezieren, ich fand es nicht sehr schwierig. Es war schön dick, sodass sich die Stöße schön leicht aneinander schieben ließen. Man darf halt erstmal nur die Kante in den Kleister legen. Wenn man, wie bei Raufaser, die ganze Tapete an die Wand legt, muckst sich nix mehr. 

Aus diesem Grund hat meine Ma es wohl gehasst. Dabei ist sie die Tapeziermeisterin bei uns in der Familie. Bereits mit zehn Jahren hat sie ihrer Mutter geholfen das Treppenhaus zu tapezieren. Aber Malervlies. Ne. Nicht ihr Ding. Geschimpft hat sie nicht. Aber man hat es ihr angemerkt, sie hat immer wieder gesagt, dass es doch so nicht richtig sein kann, die Wand bekleistern und nicht die Tapete…

Was tatsächlich ärgerlich war, war, dass sich immer Mal wieder, auch nachher beim Streichen, Ecken und Kanten gelöst haben. Und das obwohl wir wirklich richtig dick gekleistert haben. Ich kann es mir auch jetzt noch nicht erklären. Ein Glas Kleister steht aber noch im Schrank, falls sich noch Mal etwas wellt, dann kann ich es wieder ankleistern. 

Aber fangen wir doch von vorne an. 
Wie schon im Eingangsbeitrag erwähnt, haben Gre und ich Raufaserwände satt. Darum haben wir sie in allen Räumen abgezogen. Im Internet hatte ich schon gelesen, dass die Wände sehr glatt sein sollen, bevor man Malervlies tapeziert. Und darum haben Gre und ich auch ziemlich diskutiert, ob wir jetzt die Wände einfach alle verputzen wollen, oder tapezieren oder einfach nackig streichen, das hatten die Vormieter doch und sah nicht so schlecht aus, oder?
Am Ende haben wir uns für die Tapete entschieden. Relativ dick, dann wird sie kleinere Unebenheiten schon ausgleichen. 

Naja. Schön ausgemalt, aber nicht richtig realistisch. Es scheint, als müssten die Wände wirklich arschglatt sein, ehe man erfolgreich und glatt Malervlies tapezieren kann. Raufaser hätte diese kleinen Hubbeleien auf den Tapeten gnädig kaschiert. Uns stören sie aber jetzt nicht weiter. Man kann auch sagen, dass die Wände, von denen wir Tapete runtergekratzt haben, deutlich weniger Unebenheiten aufweisen, als die, die schon vor unserem Einzug nackig waren und dann gestrichen wurden. Seit dem Anstrich nimmt man aber die Hubbel nur noch wahr, wenn man sie sehen will.
Beim nächsten Mal werden wir wohl darüber diskutieren, ob wir die Wände vorher abschleifen wollen, um es perfekt zu haben, aber das steht (hoffentlich) erst in einigen Jahren zur Debatte.
Soviel als Info für Euch vorneweg. Wie ihr das gestaltet, müsst ihr entscheiden. Wenn man minimalistisch lebt und wenig Bilder an den Wänden hat, dann sollte man die Wände wohl eher doch noch besser vorbereiten. Uns reicht es definitiv, wie es ist. Die Zimmer sind sooo schön geworden! 

Zum Tapezieren selber kann ich sagen, dass man am Kleister nicht geizen sollte. Wirklich nicht. Kleistert die Wände zu! Kleisterblasen legen sich beim Trocknen an die Wand an. Da, wo kein Kleister ist, gibt's Probleme. 

Vorher misst man die Deckenhöhe ab und schneidet sich die Bahnen auf diese Länge zu. Falls du sehr niedrige Fußleisten hast, würde ich sogar einige Zentimeter dazurechnen und die überstehende Tapete anschließend abschneiden. So gibts dann keinen Ärger, weil irgendwas zu knapp war. Wir haben aber sehr hohe Fußleisten überall und haben darum ziemlich genau die 2,50m zugeschnitten, die unsere Räume hoch sind. Einfach von einem Ende des Tapeziertisches die Raumhöhe abmessen und markieren. Nun die Tapete unten anlegen, mehr als genug abrollen und dann zurückschlagen. Die Kanten genau aufeinander legen und scharf falten. Genauso als würde man ein Blattpapier zerteilen wollen. Dann mit einem Messer durchschneiden. (Wenn das Messer superscharf ist, verselbstständigt es sich gern mal und schneidet unsauber Kanten, darum lieber ein nicht ganz so scharfes Messer verwenden und ein zweites Scharfes Cuttermesser zum Schneiden der Tapete an der Wand und der Überreste unten.)

Zum Tapezieren zeichnet man das Maß der Tapentenbreite an. Dieses wird dann mithilfe der Wasserwaage zu einer vertiaklen Linie. Jene wiederum erweitert man mit der Wasserwaage zu einer schönen langen vertikalen Linie, an der man dann nachher die Tapete anlegen kann. Nun wird die Wand großzügig eingekleistert, dabei ruhig ein Stück über die Markierung hinaus kleistern. So berührt man beim Kleistern für die nächste Bahn die Tapete nicht. Das bedeutet am Ende vor allem, weniger wischen. 
Die zweite Bahn wird nun oben bündig an die andere angelegt, Ich habe die Deckentapete etwa 5mm überklebt, um einen sauberen Anschluss zu haben. Angedrückt habe ich aber nur die Kante, die den Stoß bildet, und dann wird langsam Stück für Stück von oben nach unten der ganze Stoß geschlossen, sodass die Tapeten aneinander stoßen, sich aber nicht überlappen. Wenn Kleister aus der Nahtstelle quillt, am besten gleich mit einem feuchten Lappen abwischen. Der Kleister kann die Tapete und den Anstrich farblich verändern. (Hat er bei uns aber nicht)

So gehts dann weiter, bis in die nächste Ecke. Dort Kleistert man erstmal ein breites Stück um die Ecke rum. So ca. 15cm. Die überstehende Tapete schneidet man mithilfe der Wasserwaage gerade ab. Dafür die Waage so in der Ecke anlegen, dass man über das Breite Stück schneidet, es bleiben ca. 7cm stehen.

Nun wird die Markierung für die nächste Bahn angezeichnet, wie oben beschrieben. Dann wird gekleistert und geklebt, sodass die Tapete an der Markierung ist. Nun ist es wirklich wichtig, dass das Cuttermesser eine neue Klinge bekommt, oder die alte so weit abgebrochen wird, dass das Messer wieder sauscharf ist. Denn jetzt muss die doppelte Tapetenschicht durchgeschnitten werden. Dafür legt man die Wasserwaage mit der schmalen Kante an, der Schnitt ist so dann ca. 3cm von der Ecke entfernt. Mit viel Druck schneiden, es muss auf der Wand kratzen und gegebenenfalls muss die Klinge zwischendurch wieder abgebrochen werden. Wir haben hier und da leider hässliche Ecken, weil die Tapete dabei gerissen ist. Aber da stehen nun Schränke vor. Macht also nix.

Wenn der Schnitt geklappt hat, löst du die Tapete wieder und ziehst jeweils das schmale Stückchen von der Wand bzw. das überlappende Stückchen von der anderen Tapete ab. Die Tapetenbahnen sollten sich jetzt wunderfein nahtlos ineinanderfügen und du kannst die Kleisterreste abputzen und weiter tapezieren.

An den Türen legt man die Tapete am Rahmen an. Die Ecken werden so geschnitten, wie vorhin beschrieben. An den Vorsprüngen der Fenster haben wir leicht um die Ecke herumtapeziert und anschließend ein rechteckiges Stück auf die Innenseite geklebt, sodass der Abschluss sauber aussieht. Da alle unsere Fenster hervorspringende Rolladenkästen haben, haben wir diese nicht tapeziert, ansonsten verfährt man über den Fenstern und Türen aber genauso, nur dass die Bahnen kürzer sind.




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